1.) Wie ist die Gemeinde kirchlich angebunden? Wann und wie hat sie sich interkulturell geöffnet?

Die 1856 gegründete Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Varel ist eine Baptistengemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). 2012 kamen die ersten iranischen Flüchtlinge in den Gottesdienst. In den Folgejahren hatten insgesamt bis zu 70 Iraner und Afghaner Kontakt zur Gemeinde in der Friedenskirche. Heute, im Jahr 2019, setzt sich die Gemeinde mit gut 110 Gemeindemitgliedern etwa im Verhältnis 1:2 aus Zugewanderten und Einheimischen zusammen.

2.) Besteht die Gemeindeleitung aus Zugewanderten und Einheimischen?

Seit 2014 ist jeweils ein iranisches Gemeindemitglied Mitglied in der Gemeindeleitung. Zurzeit ist das Omid Homayouni, gleichzeitig hauptamtlich Referent für Migration und Integration im Landesverband Nordwest des BEFG. Die Beteiligung eines zugewanderten Mitglieds verstehen wir als Mindestanzahl, für eine erweiterte Beteiligung ist die Gemeindeleitung offen.

3.) Wie gestaltet die Gemeinde ihre Gottesdienste und anderen Angebote interkulturell?

Im Gottesdienst werden regelmäßig die Inhalte der Liedtexte und die Predigttexte sowie gelegentlich Predigtzusammenfassungen auf Farsi projiziert oder gelesen. Eine Simultanübersetzung der Predigten ist hingegen kaum angenommen worden. Glaubensgrundkurse und Taufkurse werden je nach Nachfrage zweisprachig angeboten.In der parallel zum Gottesdienst stattfindenden Kinderkirche ist die Zweisprachigkeit nicht erforderlich, da die Kinder meist sehr schnell in der deutschen Sprache zu Hause sind. Zudem sind Kinder mit bis zu fünf unterschiedlichen Muttersprachen beteiligt.Das im Anschluss an den Gottesdienst stattfindende Kaffeetrinken wird von den Zuwanderern gerne genutzt, um für Fragen und Probleme Ansprechpartner zu finden. Ein wichtiges Element der interkulturellen Arbeit sind gemeinsame Feiern, z.B. des iranischen Neujahrsfestes, oder gemeinsame Ausflüge. Manche Veranstaltungen finden dabei auch überörtlich statt.Erster Anknüpfungspunkt für Zuwanderer und die wichtigste Säule der Integrationsarbeit sind die diakonischen Arbeitsbereiche, die wesentlich von Edwin Witt angeboten und koordiniert werden. Dazu gehört die Begleitung im Asylverfahren und sonstige Behördenkontakte, Hilfe bei der Wohnungssuche, bei Umzügen und der beruflichen Integration.Wir sind auf dem Weg zu einer Gemeinde, die gemeinsam gestaltet wird von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Dabei sind wir noch auf der Suche nach einer guten Balance zwischen der gemeinsamen deutschen Sprache und Möglichkeiten, Glauben in anderen Muttersprachen zu leben. Chance und Herausforderung für die deutsch-persische Gemeindeentwicklung ist die Tatsache, dass die Zuwanderer im Durchschnitt etwa eine Generation jünger sind als die Einheimischen. Durch die relativ übersichtliche Gemeindegröße begegnen sich bei uns nicht verschiedensprachige Gruppen, sondern Individuen, die Namen und Gesicht haben.

4.) Wie erhält man weitere Informationen?

Adresse: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Varel (Friedenskirche), Johann-Gerhard-Oncken-Straße 2, 26316 Varel

Kontakt: Pastorin Maximiliane Kedaj, Email: info@baptisten-varel.de; Tel. 04451/4437

Website: https://baptisten-varel.de

Gottesdienste: Sonntag 10:00 Uhr auf Deutsch (mit Anteilen von Farsi und Übersetzungen der Predigt) mit Kinderkirche und anschließendem Kirchkaffee