1.) Wie ist die Gemeinde kirchlich angebunden? Wann und wie hat sie sich interkulturell geöffnet? 

Die Evangelische Französisch-reformierte Gemeinde (EFRG) in Frankfurt/Main ist eine Personalgemeinde innerhalb der Evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau. Etwa 70 der 300 Gemeindegliedern stammen aus dem frankophonen Afrika, die meisten übrigen aus Deutschland. Zwei monatliche französischsprachige Gottesdienste ziehen seit 2004 eine wachsende Zahl von afrikanischen Christen an. Die zweisprachige Homepage, Flyer in zwei Sprachen und Mund-zu Mund-Propaganda tragen dazu bei, dass Frankophone, binationale Familien und andere Interessierte an interkultureller Begegnung zur Gemeinde finden.

2.) Besteht die Gemeindeleitung aus Zugewanderten und Einheimischen?

Die EFRG hat Fidèle Mushidi, einen Pfarrer aus der DR Kongo, als sozial-diakonischen Mitarbeiter angestellt. Er ist Seelsorger der afrikanischstämmigen Gemeindeglieder und wird in Notlagen von gesellschaftlichen Einrichtungen in der ganzen Stadt angefragt. Als Pfarrer wirkt Tim van de Griend in der Gemeinde, ein ökumenisch engagierter Theologe mit niederländischen Wurzeln. Im Konsistorium (Kirchenvorstand) haben z.Z. fünf der zwölf Mitglieder afrikanische Wurzeln.

3.) Wie gestaltet die Gemeinde ihre Gottesdienste und anderen Angebote interkulturell?

Viele frankophone Gemeindeglieder nehmen auch an den deutschsprachigen Gottesdiensten teil. Besondere Gottesdienste werden viermal im Jahr zweisprachig, sonst regelmäßig auch mit französischen Elementen gefeiert. 

Die auf Calvin zurückgehende Kirchenordnung, nach der zum Konsistorium sechs Älteste und sechs (ehrenamtliche) Diakone gehören, bewährt sich in den Herausforderungen durch Migration: In der monatlichen Versammlung der Diakonie wird besprochen, wer Beratung oder Unterstützung etwa in familiären, rechtlichen oder beruflichen Fragen braucht. 

Die Kinder- und Jugendarbeit der EFRG geschieht auf Deutsch. Im Kindergottesdienst kann es passieren, dass zwei deutschstämmige Kinder sich im Kreis von zwanzig afrodeutschen Kindern wiederfinden und sich fremd fühlen, manche bleiben dadurch weg. Im Konfirmandenunterricht und in der Jugendarbeit spielen kulturelle Unterschiede kaum eine Rolle.

Es gibt Bibelarbeitsgruppen und Chöre in deutscher und französischer Sprache. Sie entsprechen den unterschiedlichen Frömmigkeits- und Leitungsstilen. Bei den anderen Gemeindeangeboten und Dienstgruppen achtet die EFRG auf interkulturelle Mischung. Dazu sind immer wieder klärende Gespräche und gegenseitige Rücksicht nötig. 

In der Gemeinde besteht große Einigkeit, dass die Beteiligung frankophoner Afrikaner, auch wenn sie manche europäischen Gemeindemitglieder vor Herausforderungen stellt, für die EFRG bereichernd und ein Modell für kirchliche Zukunft darstellt. 

4.) Wie erhält man weitere Informationen? 

Website: www.efrg.de

Pfarrer: Tim van de Griend [tim.vandegriend@efrg.de] und Fidele Mushidi [fidele.mushidi@efrg.de]

Adresse: Eschersheimer Landstraße 393; 60320 Frankfurt/M.

Gottesdienst: Sonntags 10.30 Uhr, am 1. Sonntag/ Monat auf Französisch, übrige Sonntage auf Deutsch, außerdem am 3. Sonntag im Monat 16.00 auf Französisch.